Das Servitenviertel im 9. Bezirk von Wien gilt als eine der charmantesten Ecken der Stadt. Zwischen Gründerzeitfassaden, Jugendstilbauten und kleinen, eleganten Cafés spürt man hier noch das Flair eines Viertels, das schon vor über 100 Jahren ein Magnet für Intellektuelle war. Besonders einer hat die Geschichte des Viertels geprägt: Sigmund Freud. In der Berggasse 19 entwickelte er seine bahnbrechenden Theorien zur Psychoanalyse. Heute ist seine ehemalige Wohnung ein Museum – aber das Servitenviertel hat noch viel mehr zu bieten.
Was das Servitenviertel zu einem echten place to go macht:
Freud und die Psychoanalyse: Sigmund Freud zog 1891 mit seiner Familie in die Berggasse 19. Hier baute er seine Praxis auf, empfing Patient*innen und entwickelte das Konzept des Unbewussten. Seine berühmte Couch, auf der er die ersten Psychoanalysen durchführte, ist zwar heute im Freud-Museum in London, aber das Wiener Sigmund Freud Museum (Berggasse 19) bietet eine spannende Dauerausstellung mit Originaldokumenten, Fotografien und Einblicken in seine Arbeitsweise.
- Ein Viertel mit Geschichte: Das Servitenviertel war um 1900 eine Hochburg für Intellektuelle, darunter viele jüdische Denker und Schriftsteller wie Theodor Herzl, Friedrich Torberg und Leo Perutz. Neben Freuds ehemaligen Wohnhaus prägen elegante Gründerzeitfassaden, das barocke Servitenkloster von 1639 und viele kleine Plätze das Stadtbild. Bist du an einer Führung durch das Servitenkloster (Servitengasse 9) interessiert bist, kannst du dich vorab hier informieren – die Kirche und die Peregrini-Kapelle sind nicht immer geöffnet.
- Mahnmal zur Erinnerung: Wien hat eine lange jüdische Geschichte, die im Servitenviertel besonders spürbar ist. Ein eindrucksvolles Mahnmal erinnert an die jüdischen Bewohner*innen des Viertels, die während des Nationalsozialismus deportiert wurden. Schräg gegenüber der Servitenkirche liegt eine Glasplatte mit aneinandergelegten Schlüsseln – ein Symbol für die Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten und nie zurückkehrten.
- „Klein-Paris“ in Wien: Wegen des Lycée Français, einer der renommiertesten Schulen Wiens, und vieler französischer Cafés und Bistros, wird das Viertel oft als “Klein-Paris” bezeichnet. Besonders beliebt ist das Café La Mercerie (Berggasse 25) – eine ehemalige Knopfwarenhandlung, die heute für ihre Croissants, Baguettes und Tartes bekannt ist, von denen einige direkt aus Paris geliefert werden.
- Spaziergänge und Bummeln: Die Servitengasse ist das Herz des Viertels, gesäumt von kleinen Boutiquen, Buchhandlungen und Designläden. Wer das Wiener Lebensgefühl abseits der touristischen Hotspots erleben möchte, ist hier genau richtig. Besonders im Frühling und Sommer, wenn die Cafétische draußen stehen, ist die Atmosphäre fast mediterran.
- Die versteckten Ecken entdecken: Wer noch ein wenig tiefer in das Viertel eintauchen will, sollte die kleinen Gassen rund um die Porzellangasse erkunden oder sich in einer der gemütlichen Buchhandlungen inspirieren lassen. Besonders schön: Ein Abstecher zum Gartenpalais Liechtenstein (Fürstengasse 1), das mit seinem weitläufigen Park eine grüne Oase mitten in der Stadt bietet.
- Lecker essen im Beisl: Das Schnitzel im Gasthaus Rebhuhn (Berggasse 24) gilt als eines der leckersten in ganz Wien. Und gleich noch ein Tipp für ein zweites Beisl – so nennen die Wiener*innen ihre Gaststätten: Das Pramerl & the Wolf (Pramergasse 21) wirkt wie ein einfaches Beisl, serviert aber eine radikal moderne Wiener Küche, die mit einem Guide-Michelin-Stern ausgezeichnet und in einem gemütlichen holzvertäfelten Gasthaus serviert wird.
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